700 Jahre St. Johannes - Baptist

Patron der Pfarrei und ehemaligen Stadt Neheim

Wappen von Neheim mit dem Kopf Johannes des Täufers  © Archiv Heimatbund Neheim

Schon ans der Ferne, sich Neheim nähernd, nimmt man die Silhouette des Sauerländer Domes wahr, Pfarrkirche der ehemaligen Stadt Neheim, dem hl. Johannes dem Täufer geweiht. Wenn man aufmerksam durch die Fußgängerzone Neheims geht, begegnet man dem Heiligen an zwei Orten: an der Ecke des Pfarrhauses, Hauptstr. 11 und über dem Doppelportal der Johanneskirche gegenüber der Sparkasse. In der Kirche selbst ist er dreimal dargestellt; das große linke Seitenfenster im Chorraum zeigt die Taufe Jesu am Jordan. Rechts neben dem Hauptaltar befindet sich ein Seitenaltar zu Ehren des Täufers, der in der Mitte in einer lebensgroßen Figur mit einem Schild in der Hand, welches das Lamm Gottes zeigt, dargestellt ist. In der ehemaligen Taufkapelle im hinteren Teil der Kirche befindet sich ebenfalls eine Darstellung des Täufers im rechten Fenster. Es zeigt die Taufe Jesu durch Johannes mit der Inschrift.,, Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein ,Wohlgefallen habe". Von den Glocken der Pfarrkirche ist eine nach dem Täufer benannt.
Der Täufer war auch Schutzpatron der ehemaligen Stadt Neheim. So zeigt das Stadtsiegel um 1329 die Schale mit dem Kopf des Täufers im Bogen eines stilisierten Stadttores. Bis zur kommunalen Neugliederung befand sich diese Abbildung auch im Wappen der früheren Stadt Neheim Hüsten.

Die Kirche zu Neheim wird 1294 urkundlich zum ersten Mal erwähnt. Man kann mit Recht davon ausgehn, dass sie das Patrozinium Johannes des Täufers hatte.

Am 18. Juni 1358 erhielt die Stadt Neheim vom Arnsberger Grafen Gottfried IV. die Erlaubnis einen freien Jahrmarkt und eine freie Kirmes auf St. Johadues-Bapist-Tag abzuhalten.

Quelle : Karl Heinz Sendt
in der Schriftenreihe des Heimatbundes Neheim - Hüsten e.V.
An Möhne und Ruhr
erschienen im Selbstverlag des Heimatbundes
und noch käuflich zu erwerben.



Stadtentwicklung um St. Johannes Baptist



Stadtbrand 1807

Neheim, nach 2 Brandkatastrophen (1613 und 1718) wieder in den alten Sradtmauergrenzen aufgebaut, wurde abermaIs 1807 von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. Innerhalb von eineinhalb Stunden, so berichten die Chronisten, waren 156 Häuser in Schutt und Asche gelegt. Die vorhandenen 1100 Einwohner kurzfristig anderweitig unterzubringen, war sicher bei den seinerzeitigen technischen Möglichkeiten und Verhältnissen nicht einfach und führte zu mancherlei neuen Problemen.
Bürger und Beilieger hatten nur innerhalb der Stadtmauern, zumindest bis zum Jahre 1807, ihre Wohnungen. Gärten, Äcker und Felder lagen außerhalb der Stadt. Nur dem damaligen Bürgermeister Clemens Otterstedde war es gestattet, bereits 1797 das erste Haus mit der dazugehörenden Scheune, später ,,Villa Brökelmann" Friedrichsrraße‘2), außerhalb der Stadtmauern zu bauen.
Für die gesamte Bevölkerung kamen bittere Hungerjahre. Gerade aus dieser Zeit stammt der heute noch teilweise bekannte Name ,,Biärrel Naime" (Bettel Neheim).

Wiederaufbau
Nach dem Stadtbrand beauftragte die landgräfliche Regierung den Bauinspektor Wulff aus Arnsberg, einen Wiederaufbauplan zu entwerfen. Die vom Magistrat bis zum großen Sradtbrand strikt vertretene Ansicht, kein Haus außerhalb der Stadtmauern zu errichten, mußte er nach den Vorstellungen des neuen Stadtplaners" aufgeben, zumal er ja schon 1797 die erste Ausnahme zugelassen hatte.
So bekam die Stadt Neheim ein völlig verändertes Bild. Die bebaute Fläche vergrößerte sich schlagartig um das Doppelte. Durch die Einebnung der Stadtmauer, Wall und Graben nach Südosten hin (etwa heutige Friedrichstraße / Tunnelführung) ergaben sich völlig neue Perspektiven. Es waren im Grunde die damaligen Landesherren, die Hessen", die der Stadt städtebaulich den Stempel aufdrückten. Auch die Neuordnung der inneren Verwaltung blieb hiervon nicht verschont.
Vorgeschlagen wurde der Bau von neuen gradlinigen, breiten Straßen, mir Häusern, die genügenden Abstand zum Nachbarn hatten. Eine damals schon üblich gewordene Bebauung (siehe Beispiele Stadt Olpe und die Neustadt im Stadtteil Arnsberg). So entstanden die Straßenführungen für die heutige Apothekerstraße, Hauptstraße, Friedrichstraße und Marktplatz. Auch die Straßenführungen in der Altstadt (heutige Mendener Straße und Burgstraße) wurden dabei nicht außeracht gelassen.

Historische Beweise kamen ans Tageslicht
Was Bernhard Bahnschulte schon in früheren Schriften darstellte, brachten Bagger bei den Ausschachtungsarbeiten für den Tunnelbau Friedrichstraße 1985 ans Tageslicht.

Stadtgraben vor dem Obertor
Die Erdschichten vor dem Obertor ( ebenfalls heute Friedrichstraße /Tunnel) bestätigten den Stadtgrabenverlauf zwischen Mühlengraben und Springbach. Über dem rostbraunen Felsgestein des Urgrundes verläuft zunächst eine dünne dunkle Schicht Bodensediment des wassserführenden Grabens, darüber bis zur heutigen Oberfläche eine graue Schicht ortsfremden Füllmaterials. Eine ,,fließende" Verbindung vom Mühlengraben zum Springbach oder umgekehrt. ließ sich jedoch nicht bestätigen, weil der Höhenunterschied zu groß war. Vor dem Obertor an der Stelle des jetzigen Hauses Risse führte eine Brücke hinüber zur Straße nach Hüsten und zu den vorgelagerten Gärten, die der Straße ,,Am Wallgarten" den Namen gegeben haben.

Quelle : Werner Mutzenbach, Franz Josef Schulte
in der Schriftenreihe des Heimatbundes Neheim - Hüsten e.V.
An Möhne und Ruhr
erschienen im Selbstverlag des Heimatbundes
und noch käuflich zu erwerben.


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