DIE BURG NEHEIM UND IHRE MANNSCHAFT

Ohlbrücke mit Burghaus Freseken um 1825   © Archiv Heimatbund Neheim

Die Entwicklung der Siedlung ,,Nihem" wurde von den gräflichen Landesherren bestimmt. Diese nahmen wachsenden Anteil, weil Neheim in der Nordwestecke ihres Landes nicht nur an wichtiger Straße, sondern überdies in einem von Natur geschützten Winkel zwischen zwei Flüssen, zwischen Ruhr und Möhne, lag und also für die militärische Sicherung der Grafschaft besondere Bedeutung gewinnen konnte. Man befand sich jetzt, während des 13. Jahrhunderts, überdies allgemein in einer Zeit der Ausgestaltung der Territorien, der Landesherrschaften; man gründete mit Eifer Städte und baute vorsorglich Burgen, zum Nutzen und zum Schutze seiner Macht.
Ihren Haupthof in Neheim ließen die Arnsberger Grafen schon vor 1200 durch ritterliche Mannen verwalten. Der gräfliche Hof war gewiß nicht ungeschützt; aber eine Burganlage wird er in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts noch nicht gehabt haben. Lehrreich ist in dieser Hinsicht eine Beurkundung des Grafen Gottfried III. von Arnsberg aus dem Jahre 1255, deren Gegenstand teils ,,in castro nostro Arnsberg", also in der gräflichen Burg zu Arnsberg, teils ,,in Nyhem", also in Neheim schlechthin, verhandelt wurde. Hätte es damals in Neheim auch schon eine gräfliche Burg gegeben, so wäre zweifellos diese der Neheimer Verhandlungsort gewesen; und gewiß hätte der Urkundenschreiber dann auch von dem castrum in Nyhem, der Neheimer Burg, gesprochen.
In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts hat indessen auch Neheim eine Befestigung erhalten. Für deren Anlage mußte der Arnsberger Graf zunächst die Zustimmung des Erzbischofs von Köln als Herzogs von Westfalen gewinnen. Denn dieser besaß als Teil seiner Herzogsgewalt auch das Befestigungsrecht im Gebiet des westfälischen Herzogtums oder nahm es doch jedenfalls in Anspruch. Als nun der im Herbst 1261 zur Regierung gelangte Kölner Erzbischof Engelbert II. am 2. September 1263 in Köln mit dem Grafen Gottfried III. von Arnsberg ein Bündnis abschloß, wie es ähnlich schon zwischen seinem Vorgänger Erzbischof Konrad II. und dem Arnsberger Grafen bestanden hatte, da gewährte er dem Grafen das Recht, das Dorf Neheim zu einer stadtmäßigen Befestigung auszubauen (ut de villa sua Neyhem oppidi faciat munitionem, wie die lateinisch geschriebene Urkunde — vgl. Abbildung S.28 — sagt). Mit dem Bau sollte aber frühestens zu Ende des Oktober 1263 begonnen werden. Der Erzbischof wollte sogar an dem Bau mitwirken; sollte ihm regelrechte Bauhilfe zu beschwerlich fallen, dann wollte er immerhin 400 Mark (eine beträchtliche Summe für jene Zeit) zu den Kosten des Baues beisteuern. Der Graf versprach dafür, keine Leute des Erzbischofs oder seiner Burg- oder Dienstmannen in die zukünftige Stadt Neheim aufzunehmen. Mit dem Bau wird man alsbald begonnen haben. Jedenfalls stand er in den 1270er Jahren fertig da. Allerdings war er wohl etwas anders gestaltet, als der Kölner Erzbischof gedacht hatte. In der Folgezeit ist ausdrücklich erklärt worden, dieser Bau sei ungerechter Weise errichtet; eine Kölner Chronik nennt ihn geradezu ein presidium, also ein festes Bollwerk, ein Kastell. Der Graf von Arnsberg hatte offenbar in der stadtmäßigen Befestigung für Neheim im Winkel zwischen Ruhr und Möhne eine starke Landesburg errichtet, die die Nordwestecke seines Landes schützte, hier das Ruhrtal und seine Straße beherrschte, aber auch als Ausfallstor gegen kurkölnisches Gebiet dienen konnte. Der schon in stete Territorialkämpfe verwickelte Erzbischof Engelbert II. mag sich mit dieser Entwicklung abgefunden haben.
Als seinem Nachfolger, dem 1275 auf den Kölner Thron gelangten kriegerischen Erzbischof Siegfried, aber die Arnsberger Grafen im Bunde mit zahlreichen anderen nordwestdeutschen Fürsten feindlich gegenübertraten, erfüllte sich das Schicksal des presidium Neheim bald: Es wurde im Winter 1277/78, genauer wohl im Januar 1278, vom Erzbischof erobert und zerstört. Im Lager bei Neheim (in castris prope Nyheim sagt die Urkunde; castra ist hier natürlich nicht als Burg —die war ja zerstört —, sondern als Heerlager, und zwar des Erzbischofs zu verstehen) mußten am 21. Januar 1278 Graf Gottfried III. von Arnsberg und sein Sohn Ludwig geloben, fürderhin dem Erzbischof dienstlich zu sein. Ein Nachfolger Siegfrieds, der Erzbischof Wigbold, behauptete bald nach 1300 auch, der Graf habe damals geschworen, die Neheimer Befestigung nicht wieder aufbauen zu wollen, wovon die Friedensurkunde von 1278 jedoch nichts sagt. Jedenfalls wurde die Neheimer Befestigung wieder hergerichtet, was der Erzbischof damit beantwortete, daß er nun gegenüber von Neheim auf dem Fürstenberge seinerseits eine kölnische Burg erbaute. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts hat Erzbischof Wigbold von Köln in Klageartikeln gegen den Grafen Ludwig von Arnsberg sogar gefordert, daß er die zu Neheim innerhalb des Herzogtums Westfalen errichteten Befestigungen, ebenso übrigens auch Burg und Stadt Eversberg im Südosten seines Landes, niederlege. Die Ausführung dieser Forderung hat jedoch weder Erzbischof Wigbold, der umbrandet von Kämpfen 1304 in Soest gestorben ist, noch einer seiner Nachfolger erreicht.
Nach alledem liegt klar zu Tage, welche Bedeutung die Landesburg Neheim einst für die Grafen von Arnsberg als Landesherren einerseits und für die Erzbischöfe von Köln und die Grafen von der Mark als Nachbarn andererseits besessen hat. Neben Arnsberg, Hirschberg, Eversberg, Grevenstein und Hachen stand Neheim in der Reihe der Landesburgen, die die Stützpunkte der landesherrlichen Gewalt für die Grafschaft Arnsberg nicht nur während ihrer Selbständigkeit, sondern auch nach ihrem Verkaufe an Kurköln (1368) bildeten. Aber auch die Herausbildung und Entwicklung der Stadt Neheim ist ohne die Burg Neheim fast undenkbar. Vom Aussehen der Burg Neheim in ihrer Frühzeit haben wir natürlich gar keine Vorstellung. Als sicher kann nur gelten, daß sie schon damals im Winkel zwischen der Möhne (im Norden) und der Ruhr (im Westen) auf einem zunächst nach Westen, dann nach Südwesten ins Ruhrtal abfallenden festungsmäßig höchst wichtigen Hügel, zu dessen Füßen überdies ein von Osten kommender Bach, der sogenannte Springbach floß, gelegen war. Aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wissen wir wenigstens etwas über ihre Anlage. Sie hatte einen mächtigen Turm, der 1369 auch urkundlich erwähnt ist (als turris castri in Nehem). Neben dem Turm wird das Palatium, der Saalbau, ein festes Wohngebäude gelegen haben, das wir vielleicht in dem 1377 erwähnten ,,Sale" erkennen können. An diesen schloß sich 1377 das sogenannte Neue Haus an, das in dem vorauf gegangenen Jahrzehnt während eines Krieges mit dem Grafen von der Mark zur Verstärkung der Burg erbaut war. Neben dem Neuen Hause aber lag 1377 noch ein Schüngelsches Burghaus. Diese Reihenfolge besonderer Burggebäude innerhalb des Burgkomplexes wird durch eine Urkunde vom 28. Juli 1377 überliefert, in der die Rede ist von ,,onse nuwe huyss (=Neues Haus) in onser burch zu Nehem, dat nu leste in onsme kriege, den wir mit dem greven van der Marken hatten, gemachet wart, dat geleigen is tusschen Schungels huyss ind dem Sale". Da nun die Lage des Schüngelschen Burghauses ermittelt ist, läßt sich auch die Lage der weiteren Burggebäude bestimmen. Das ursprünglich wohl der Burgmannenfamilie Sleper zuständig gewesene später Schüngelsche Burghaus erhob sich im äußersten Ruhr-Möhne-Winkel auf dem Platze des heutigen Ehrenhains. Nach Süden zu stand das den Freseken verliehene Neue Haus, dessen Gebäude Nachfolger noch heute als das Fresekensche Burghaus angesprochen wird. Und hiervon weiter nach Südosten zu muß dann der ,,Sal" auf dem Gebiete des späteren sogenannten Burghauses Gransau lokalisiert werden, jedenfalls hier wohl eher als auf dem Gebiet des Drostenhofes (Gransau und der Drostenhof befanden sich später gemeinsam in Händen der Neheimer Erbdrosten-Familie von Fürstenberg). Noch weiter nach Südosten, wo der Burghügel ziemlich steil abfiel, in der Gegend der heutigen Post, hat gewiß noch ein weiterer Burgbau gestanden. Jedenfalls ist in der Umgangssprache noch um 1800 diese Stelle als Burg bezeichnet (vgl. Plan 1 5. 24 u. 54). Der Gesamtkomplex der Landesburg Neheim bildete also eine umfängliche Anlage, zwar ziemlich schmal, durch den südwestlichen Hügelrand des Ortes einerseits und ungefähr die heutige Burgstraße andererseits begrenzt, aber dafür im leicht geschwungenen Bogen wohl gegen 600 m lang. So wird sich die Burg dem Beschauer stattlich und mächtig dargestellt haben, bis sie seit dem Beginn der Neuzeit mit ihrer alten Bedeutung auch im Äußeren verlor.
Des Zusammenhanges wegen mögen an dieser Stelle noch einige Angaben über die weitere Geschichte der Burg oder genauer ihrer Einzelteile angeschlossen werden. Von den einzelnen Teilen der Burg gingen die nördlichen, die Burghäuser Schüngel, Freseken und Gransau, durch Verlehnung allmählich in Privatbesitz über. Das Schüngelsche hat den Herren v. Bockenförde gt. Schüngel noch lange gehört und gelangte 1744 durch Kauf an die Freiherren v. Fürstenberg-Herdringen. Die Freseken besaßen ihr Burghaus bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts; nach 1600 gehörte es einem Hauptmann Israel, später mehreren Generationen des Geschlechtes v. Bönninghausen, seit 1699 der Familie v. Wrede-Lohe, seit 1724 dem Generalmajor v. FolIeville und von 1766 bis heute den Freiherren bzw. Grafen v. Fürstenberg-Herdringen. Im Besitz des Burghauses Gransau befanden sich zunächst im 15. und 16. Jahrhundert die Erbdrosten v. Fürstenberg-Neheim, dann im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert deren Erben, die v. Strünkede, darauf die den Vorbesitzern verschwägerte Familie v. Falkenberg, seit 1680 die Familie Fabri bzw. deren Erbe, die Familie Stenneke, von denen es 1745 an die Meininghaus, dann 1763 an die heutige Besitzerfamilie Cosack überging. Die südöstlichen Teile der Burg aber wurden im Gegensatz zu den vorgenannten noch bis zum Ende von Kurköln um 1800 zu den kölnischen Kameralgütern gerechnet und, weil sie allein fiskalisch geblieben, nunmehr auch allein Burg genannt. Sie verfielen aber immer mehr. Im Jahre 1807 ließ die Stadt Neheim die Mauerreste, die noch eine Länge von 160 und eine Breite von 150 Fuß hatten, forträumen.
In der mittelalterlichen arnsbergisch-kurkölnischen Landesburg zu Neheim wirkten nun, als Offiziere vom Platz sozusagen, mehrere Burgmannen (borgmanne, lateinisch castrenses), die dem Stande der Ritter oder Rittergenossen, also dem Adel angehörten. Sie hatten die Burghut zu versehen und lebten teils ständig, teils für bestimmte Zeiten in der Burg, wogegen sie Dienstlehen in Gestalt von Häusern, Grundbesitz, Natural- und Geld-Renteneinkünften erhielten. Die Sorge für den Turm der Burg und gegebenenfalls seine Verteidigung war einem besonderen Turm-Burgmann übertragen, der einer Nachricht von 1369 zufolge ständig mindestens zwei zuverlässige Leute als Turmwächter zu halten hatte. Für die Ausübung des Dienstes waren den Burgmannen natürlich Untergebene zur Hand, und zu Kriegszeiten bekam die Burg auch eine stärkere Besatzung. Das 15. Jahrhundert aber wird die Burgmannschaft in ihrem alten Wesen allmählich aufgelöst haben.
Durch ihr Wirken im gräflichen Haupthof bzw. in der Landesburg hat eine Reihe von ritterbürtigen Geschlechtern lange Zeit eine Rolle in Neheim gespielt. Die ältesten von ihnen führen geradezu den Namen von Neheim. Als erstes der Geschlechter v. Neheim ist zweifellos dasjenige anzusprechen, dem die frühesten historischen Verwalter des Arnsberger Haupthofes entnommen sein werden, das bereits 1202 mit einem Hermann und seinen später als Ritter in der Umgebung der Grafen von Arnsberg auftretenden Söhnen Hermann und Wilhelm urkundlich genannt ist und als Wappen einen blauen Schild mit goldenem Sparren sowie auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei blaue Flügel mit dem goldenen Sparren dazwischen geführt hat (vgl. dazu Siegel 1). Nicht wenige Angehörige dieses Geschlechtes sind schon im 13. Jahrhundert von Neheim fortgezogen und in die klevesche Burgmannschaft zu Strünkede bei Herne, die märkische zu Mark bei Hamm, die kurkölnische zu Rodenburg bei Menden eingetreten. Später hat sich das Geschlecht in drei Linien fortentwickelt. Die eine blühte zu Nieder-Werries, Vellinghausen, Heidemühlen und Hohenover bei Hamm, die zweite zu Sundermühlen im Osnabrückschen, die dritte mit dem Beinamen Düscher zu Rüdinghausen bei Hörde; das Geschlecht ist erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Mannesstamm erloschen.
Ein zweites Geschlecht v. Neheim, dessen Angehörige ältester Zeit von denen des vorgenannten Geschlechtes schwer zu unterscheiden sind, wird in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erkennbar und hat als Wappen im goldfarbigen Schilde einen schwarzen Querbalken und über diesem vier, unter ihm drei rote Seeblätter, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken aber einen goldenen und einen schwarzen Flügel geführt (vgl. dazu Siegel 2). Das Geschlecht war dann zu Stockum bei Arnsberg und später zu Ruhr bei Schwerte angesessen und ist ebenfalls erst im 18. Jahrhundert ausgestorben.
Ein drittes Geschlecht v. Neheim, bei dem in älterer Zeit der seltene Vorname Gervas geführt ist, läßt sich ebenfalls seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erkennen. An seine Spitze muß man den seit 1293 erweisbaren Gervas v. Neheim stellen, der 1298 auch als Richter des gräflich arnsbergischen Gerichtes zu Neheim erscheint. Gervas hatte einen Bruder Johann, der noch im 13. Jahrhundert auch als Johann Sclepere auftritt und in dessen Linie der Spitzname Sleper (Schläfer) den Namen Neheim entweder ganz verdrängt oder doch in der Form Sleper v. Ne-heim an zweite Stelle geschoben hat. In der Linie des Gervas ist der Name v. Neheim länger erhalten, dann aber ebenfalls durch einen Beinamen, nämlich durch den Namen Freseken oder Freseken v. Neheim ersetzt worden. Freseken wird ebenfalls ein Spitzname sein und bedeutet ,,lebhaft wie ein Hänfling", der mundartlich ,,Freisken" heißt. ,,Sleper" und ,,Freseken" kennzeichnen somit das gegensätzliche Temperament der beiden Brüder. Noch 1342 heißt ein weiterer Gervas in der Urkundenbezeichnung Gervasius de Nehem‘ während er sich in der Umschrift seines Siegels schon als Fresekinus de Nehem bezeichnet. Umgekehrt nennt sich sein Bruder Ludbert 1350 auf seinem Siegel de Neham, im Urkundentext aber Fresiken van Nehem. Als Wappenbild hatten die Freseken wie die Sleper einen springenden Fuchs; und zwar die Freseken einen roten Fuchs im goldfarbenen Schilde, der sich auf dem Helme mit rot-goldenen Decken wachsend zwischen zwei goldenen Federn oder auch Flügeln wiederholt (vgl. Siegel 3 und 4), während die Sleper, deren Wappenfarben wir nicht kennen, den Fuchs in einem mit Sternen besäten Schilde führten (vgl. Siegel 5). Die Sleper wie die Freseken spielten in Neheim eine erhebliche Rolle und dürften im 14. Jahrhundert das namhafteste Burgmannen-Geschlecht gewesen sein. 1348 setzte Graf Gottfried IV. von Arnsberg als Bürgen für eine von ihm eingegangene Verpflichtung u. a. Johanne den Slepere, eynen burighman to Neyhem. 1377 gab Erzbischof Friedrich von Köln seinem Burgmann zu Neheim Wilhelm Freseken für treue Dienste das bereits erwähnte Neue Haus in der Burg Neheim als Burglehen. Die Freseken waren auch um Neheim reich begütert. Seit 1344 besaßen sie das Gut Nierhof unmittelbar bei Voßwinkel. 1382 gehörte ihnen auch das Schloß Höllinghofen bei Voßwinkel, das sie 1414 an einen Fürstenberg weitergaben. Auch das Schloß Scheidingen bei Werl war um 1400 eine Zeit lang ihr Eigentum. 1350 schenkte Gervas v. Neheim gt. Freseken dem Kloster Oelinghausen acht Gärten bei Neheim, von denen fünf außerhalb des steinernen Tores beim alten Graben (extra portam lapideam apud antiquam fossam) und drei außerhalb des Möhnetores (extra portam, qua dicitur Moyneporte) gelegen waren. Im selben Jahre schenkte des Gervas Bruder Ludbert dem Kloster Oelinghausen ebenfalls Land bei Neheim ,,buten der Rureporten naest der Rurebrugghen". Später ging der Wohlstand der Freseken allmählich zurück. Um 1600 ist mit ihren letzten Angehörigen, nachdem die Sleper schon lange zuvor in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ausgestorben waren, das dritte unserer Geschlechter v. Neheim erloschen.
In der Burgmannschaft von Neheim lassen sich aber noch zahlreiche andere ritterbürtige Familien nachweisen. Nur einige seien noch kurz aufgeführt. Im 14. Jahrhundert sind namentlich die Wölfe von Lüdinghausen, die Erben des letzten der vornehmen Schultheißen von Soest, in der Neheimer Burgmannschaft vertreten gewesen; Heinrich Wolf, der das Hauptgut zu Voßwinkel besaß, wurde 1369 Turm-Burgmann zu Neheim. Weiter mögen noch die v. Bockenförde gt. Schüngel angeführt werden, nach denen schon 1377 ein Burghaus heißt. Sie stammten aus dem Lippstädtischen, lebten auch noch im 15. Jahrhundert in Neheim, wo sie 1440 eine Frühmesse stifteten, und saßen dann lange auf den in der weiteren Nachbarschaft gelegenen Rittergütern Wocklum, Oevinghausen und Echthausen, bis sie im 19. Jahrhundert im vollbürtigen Stamme erloschen.
Als letztes der alten namhaften in der Burg Neheim bzw. auf ihrem Drostenhofe wirkenden Geschlechter sei hier das der Herren v. Fürstenberg genannt. Es ist höchstwahrscheinlich aus dem Geschlechte v. Binolen hervorgegangen und trägt den Namen Fürstenberg erst seit seinem gewiß im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erfolgten Einzug in die kölnische Grenzburg auf dem Fürstenberge (Wappen: in goldfarbenem Schilde zwei rote Querbalken, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken zwei wie der Schild gezeichnete Federn, vgl. Abbildung). Seine älteren Angehörigen zu Neheim haben freilich nicht mehr in alter Burgmannsstellung, sondern in neuerer Amtmannsstellung innerhalb der Neheimer Burgmauern gesessen. Nach der Überlieferung soll Gotthard v. Fürstenberg 1446 als Pfandschaft für ein großes Darlehn die Drostei, das Amt Neheim, vom Kölner Erzbischof erhalten haben, das bei seinen Nachkommen geblieben ist, bis es 1570 Kurköln wieder eingelöst hat. Tatsächlich erscheint Gotthard seit Mitte des 15. Jahrhunderts als Amtmann oder Droste von Neheim, und es sind ihm in dieser Stellung seine Söhne Philipp, Anton und Wilhelm, seine Enkel Philipp und Georg und sein Urenkel Laurenz bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts gefolgt. Diese Neheimer Drostenlinie des Geschlechtes v. Fürstenberg ist in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erloschen. Im 18. Jahrhundert aber wurde die heute noch weitverzweigt fortblühende Fürstenbergsche Linie Herdringen ihrerseits in der Burg Neheim begütert, und zwar nicht nur mit dem Hauptzweig Herdringen, sondern auch mit einem besonderen Nebenzweig Fürstenberg-Neheim, der, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts freilich von Neheim ins Rheintal verpflanzt, weiterhin das gräfliche Haus Fürstenberg-Stammheim bildete. Als Sohn des Amtmanns Wilhelm v. Fürstenberg aus der alten Neheimer Drostenlinie aber wurde um 1500 in Neheim der spätere livländische Deutschordensmeister und deutsche Reichsfürst Wilhelm v. Fürstenberg geboren — der größte Mann, den Neheim hervorgebracht hat.

Quelle : Friedrich von Klocke
im Buch 600 Jahre Bürgerfreiheit Neheim - Hüsten
erschienen im Selbstverlag der Stadt Neheim - Hüsten 1958
noch zu beziehen durch Heimatbund Neheim - Hüsten e.V.

 Seitenkopf